Alle wünschen sich gesunde Führung, doch wie sieht diese aus? Wir leben und arbeiten in einer Zeit des konstanten Wandels. Während früher Stabilität in Unternehmen und Langlebigkeit bei Produkten angestrebt wurden, begegnen heute Unternehmen der realen Chance, innerhalb von 10 Jahren Relevanz am Markt zu verlieren. Die Digitalisierung erfordert beständige Transformation im Innen und Aussen.

Was bedeutet dies für den Einzelnen?

Einmal Gelerntes kann heute nicht einfach über Jahre hinweg unverändert angewendet werden, wie es früher einmal war. Software, Projektmanagement-Tools und Prozesse entwickeln sich kontinuierlich weiter und bewirken in Unternehmen personelle und strukturelle Veränderungen. Technischer Wandel geht einher mit persönlicher Weiterbildung und der Bereitschaft, sich auf neue technische aber auch mentale Herausforderungen einzulassen. Nicht jedem gelingt dies mühelos. Psychologisch betrachtet begegnen wir Menschen Veränderungen, die wir nicht aus Eigenantrieb heraus selbst herbeiführen, eher mit Vorsicht und reagieren mit Unsicherheit. Es ist eine zutiefst menschliche Natur, die in sehr frühen Zeiten unser Überleben gesichert hat.
Nicht umsonst zeigt sich das Sicherheitsbedürfnis als das wichtigste Anliegen von Mitarbeitenden, wie die folgende Grafik zeigt:

Gesunde Führung erfordert Mitarbeiteranliegen zu berücksichtigen.

Was brauchen Mitarbeitende von Führungsverantwortlichen?

Ein wichtiger Aspekt der Führung ist, generell und insbesondere bei anstehenden Transformationsvorhaben dem zentralen Anliegen von Mitarbeitenden nach Sicherheit positiv zu begegnen. Um sich emotional an das Unternehmen gebunden zu fühlen, benötigen Mitarbeitende ein Umfeld des Vertrauens und Raum für die persönliche Entwicklung. Technischer Fortschritt sollte deshalb mit der fachlichen Befähigung und emotionalen Bestärkung der Anwender Hand in Hand gehen. Je besser es Führungsverantwortlichen gelingt, die Mitarbeitenden frühzeitig in anstehende Transformationsprozesse einzubeziehen und den Nutzen für alle Beteiligten sichtbar zu machen, desto grösser wird die Bereitschaft sein, aktiv und positiv daran mitzuwirken. Oftmals ist jedoch zu beobachten, dass das Führungsteam Veränderungen beschliesst, die dann als Strategie und Tatsache der Belegschaft kommuniziert werden mit einem zeitnahen Implementierungsplan. Solche Verordnungen von oben werden als Fremdbestimmung wahrgenommen und rütteln natürlicherweise am Sicherheitsfundament des Einzelnen. Dieses Vorgehen entspricht immer weniger dem aktuellen Zeitgeist und dem Wunsch nach Mitwirkung – insbesondere bei der jungen Generation. Was jedoch gerade jetzt benötigt wird, sind motivierte Mitarbeitende, die ihre fachlichen und persönlichen Stärken einbringen und durch innere Stärke und Resilienz zum unternehmerischen Erfolg beitragen, statt in Unsicherheit und Starre zu verharren.

Betrachten wir ein Ei, so stellen wir fest, dass Druck von aussen, Leben zerstören kann. Druck von innen hingegen entfaltet das Leben. Das ist Motivation. Veränderungen erfordern Mut, Energie und bergen Risiken. Keine Veränderung zu wagen bedeutet jedoch Rückschritt, Stillstand und als Konsequenz daraus möglicherweise das Ende eines Unternehmens. Mitarbeitende verstehen diese Kausalkette, sofern sie involviert werden und leisten sicher bereitwilliger ihren aktiven Beitrag zum Gelingen aus einem inneren Bedürfnis der Sinngebung heraus, Werte zu erhalten oder zu schaffen.

Was ist die wichtigste Stärke der Zukunft?

Yuval Noah Harari, ein Historiker und Bestsellerautor, der sich intensiv mit der Zukunft von Mensch, Gesellschaft und Arbeit befasst, attestiert die emotionale Intelligenz als eine der wichtigsten Stärken der Zukunft. Die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, wird in der aktuellen und künftigen Berufswelt immer bedeutender. Doch dafür sollte man seine Stärken kennen. Wie die obige Grafik zeigt, gilt das Bedürfnis, stärkenorientiert arbeiten zu können an dritter Stelle ebenso als ein zentrales Anliegen von Mitarbeitenden. Führungsverantwortliche sind heute ebenfalls weit mehr darauf angewiesen, die Stärken ihrer Mitarbeitenden zu kennen und sie in einem sich stetig wandelnden Umfeld zur Entfaltung zu bringen. Je besser dies gelingt, desto erfolgreicher arbeiten Teams zusammen und desto höher ist die emotionale Bindung und auch mentale Stärke des Einzelnen. Studien der Positiven Psychologie zeigen, dass stärkenorientierte Führung nicht nur den Unternehmenserfolg begünstigt, sondern auch zu gesünderen und resilienteren Mitarbeitenden führt.

Fixe berufliche Identitäten lösen sich auf

Während Menschen früher eine relativ fixe berufliche Identität bildeten, gilt es heute sehr flexibel auf äussere Veränderungen zu reagieren und mit ihnen und letztlich auch an ihnen zu wachsen. Je bewusster man sich dabei der eigenen Stärken ist, desto selbstbewusster kann man diese auf immer wieder neue Art zum Einsatz bringen, weiter entwickeln und durch weitere Kompetenzen ergänzen. Unternehmen, die in das Erkennen und Stärken der Stärken ihrer Mitarbeitenden investieren, bauen ein vermeintlich unsichtbares Guthaben auf, das jedoch in Form von Mitarbeiterbindung, mentaler Stabilität, Resilienz und intrinsischer Motivation sehr schnell sichtbare Früchte trägt.

Teams, in denen die Einzelnen Kenntnis über die gegenseitigen Stärken besitzen, haben die Möglichkeit komplementäre Stärken zu nutzen, sich dadurch positiv zu ergänzen und zu leistungsstarken Teams zu verschmelzen. Darüber hinaus fördert eine stärkenorientierte Unternehmenskultur positive zwischenmenschliche Beziehungen im Unternehmen, die den Zusammenhalt und die gegenseitige Verbindung stärken. Als Fazit lässt sich sagen, dass es im Leben letztlich immer um Menschen, Projekte und Ergebnisse geht. Je besser sich der Mensch in seinem Umfeld fühlt und seinen Stärken entsprechend einbringen kann, desto motivierter wird er Projekte angehen und dadurch bessere Ergebnisse erzielen. Die Aufgabe der Führung besteht demnach auch darin, bei allem technischen Fortschritt die menschlichen Anliegen nicht aus dem Blick zu verlieren.

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