Kennen Sie das Gefühl, aus einem Review-Gespräch zu kommen mit einem Rucksack an Vorgaben und Ideen, wie es Ihnen gelingen könnte, nächstes Mal die Kennzahlen (so realistisch James Bond Filme) doch auch mal zu erreichen? Vielleicht ein wenig mehr Stretching? Etwas mehr Einsatz? Sie sind top motiviert und denken sich: Jawohl! Danke für dieses Feedback, da mach ich mich gleich voller Power ans Werk! Kennen Sie nicht? Ich auch nicht. Doch so oder zumindest ähnlich verlaufen noch immer viele Mitarbeitergespräche und Reviews. Man serviere ein Kompliment, mische nun ein Dutzend Entwicklungsideen bei und garniere mit einem Schulterklopfen und einem netten Schlusssatz – gut, dass wir gesprochen haben! Auf der anderen Seite schluckt jemand leer.

Für den «zu Entwickelnden» ist der Tag gelaufen. Produktivität kann man leider nicht mehr erwarten, da die Gedanken um Defizite kreisen. Dabei wissen wir alle selbst aus Erfahrung, was motivierend wirkt und was uns emotional in die Katakomben treibt. Wann immer wir Anerkennung erfahren und unsere Stärken zum Einsatz bringen können, sind wir motiviert, mehr davon zu leisten. Dies löst positive Emotionen aus. Kriegen wir einen auf den Deckel, ist die Laune futsch und die Motivation zieht im Gleichschritt mit. Da nützt das beste Kompliment als Einleitung leider auch nix.

Führungspersonen, die darauf achten, dass ihre Mitarbeitenden ihre Stärken bei der Arbeit einsetzen können, erzielen im Team bessere Resultate, mehr Erfolge und haben ein besseres Sozialklima, wie z. B. Studien der Positiven Psychologie von Kim Cameron belegen. Es lohnt sich also, zumindest einmal zu schauen, warum sich Stärken zu stärken auszahlt.

Stärkenorientierung verbindet, Schwächenbewusstsein trennt.

Zum Thema Review: Den Blick darauf zu lenken, was besonders erfolgreich gelaufen ist und wie dies der Person gelungen ist, schenkt Anerkennung und aktiviert gleichsam Lösungsstrategien für Themen, die aktuell nicht rund laufen.

Jeder von uns hat sein uniques Stärkenprofil – eine Kombination aus Talenten und Fähigkeiten, die einzigartig ist. Doch ob man eine Stärke zum Einsatz bringen kann, hängt auch stark vom Umfeld ab. Ein Ferrari macht schliesslich auf Sand auch keine gute Figur. Fördern wir unsere gegenseitigen Stärken und ermutigen wir einander dazu, über uns hinauszuwachsen, entwickeln wir uns weiter. Stärkenbewusstsein verbindet auf diese Weise. Die Emch + Berger AG Bern, ein führendes Ingenieurunternehmen, hat das ausprobiert und lebt die stärkenorientierte Haltung seit einem gemeinsamen Stärkenworkshop vor. So haben die Führungsverantwortlichen z. B. die Mitarbeitergespräche und das Führungsverständnis auf Stärkenfokus ausgerichtet. Sie spüren bereits, dass das Stärkenbewusstsein und kleine tägliche wertschätzende Interaktionen, wie z. B. Eistee für den kühlen Kopf an heissen Tagen für die Mitarbeitenden mit einem Dankkärtchen, sich positiv auf Motivation und Sozialklima ausgewirkt haben. Kleine positive Taten, starke Wirkung.

Halten wir uns bei der Arbeit hingegen gegenseitige Schwächen vor Augen und versuchen, diese auszumerzen, leiden neben dem Sozialklima auch Motivation und Leistungsfähigkeit. Klein gemachte Menschen trauen sich keine grossen Sprünge mehr zu machen, aus Angst vor Fehlern und weiterer Kritik. So sagte schon Goethe einst: „Getretener Quark wird breit, nicht stark.“

Um Stärken im Team zu fördern, sollten diese im ersten Schritt sichtbar werden. Dies gelingt z. B. durch Stärkenanalysen*1 sowie Beobachtung und regelmässige kollegiale sowie Selbsteinschätzung. Wann immer Kollegen die gegenseitigen Stärken kennen und ein Klima der Bestärkung und Unterstützung erleben, entsteht Wertschätzung für Vielfalt und werden Synergien zum Wohle aller genutzt. Dies ist das Rezept leistungsstarker Teams. Natürlich haben wir alle auch Schwächen – wo Licht, da auch Schatten: Die Frage ist nur, wovon wollen wir mehr? Da, wo wir den Fokus drauf richten, fliesst unsere Energie hin!

Warum Stärken stärken?

Wir sind erstaunlich schlecht darin, uns selbst, unsere Begabungen und Persönlichkeit realistisch einzuschätzen – und sind uns dessen nicht einmal bewusst. Es fällt uns leichter, die Stärken und Fähigkeiten anderer Menschen einzuschätzen als die eigenen. (Eine Ausnahme bilden dabei relativ inkompetente Personen, die das eigene Wissen und Können konstant überschätzen und die Kompetenz anderer unterschätzen. Diese Neigung wird als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet.) Deshalb sind unsere Mitmenschen so wichtig für unsere persönliche Stärkenentfaltung. In der Interaktion mit anderen Menschen finden unsere Stärken und Schwächen Ausdruck. Sie helfen uns, unser Potenzial zu entfalten und blinde Flecken zu überwinden.

Wenn wir innerhalb unseres Stärkenbereiches arbeiten, und eine neue Herausforderung antreten, scheint unser Gehirn aufzuleuchten, so als ob eine Schalterreihe plötzlich auf «EIN» geschaltet würde. Studien zum Thema Arbeitszufriedenheit zeigen, dass wir vor allem dann berufliche Zufriedenheit erleben, wenn wir erfolgreich berufliche Herausforderungen mit Hilfe unserer Stärken meistern – also den Schalter auf EIN stellen. Positive Bestärkung und Ermunterung wie bei Emch+Berger sind sehr wichtig im Hinblick auf Leistungsfähigkeit und genau hierfür brauchen wir unser Umfeld: Kollegen und Vorgesetzte, die unsere Stärken kennen und uns manchmal mehr zutrauen, als wir es selbst tun und so über uns hinauswachsen lassen. Gallup Forschungen belegen, dass jeder Mensch in individuellen Bereichen sein Erfolgspotenzial hat und der Schlüssel zur menschlichen Weiterentwicklung in der Stärkung der persönlichen Stärken und Interessen liegt. Wie wäre es mit stärkenorientierten Feedbacks und einem Stärkenprofil für jeden Mitarbeitenden, das regelmässig von Vorgesetzten, Kollegen und der Person selbst gepflegt und dokumentiert wird?

Stärken und Berufserfolg

Fördern Stärken den Berufserfolg? Und was ist Berufserfolg? Eine subjektive Zufriedenheit, der Titel auf der Visitenkarte, ein hohes Gehalt oder die Anzahl von Mitarbeitenden?

Vielleicht ist es eine Kombination aus allem – wie so oft, macht es der Mix wohl aus. Oder aber auch nichts von alledem, sondern Freude bei der Arbeit. Es sind vor allem unsere Talente und Begabungen, die den beruflichen Erfolg beflügeln. Wir sind happy, wenn wir das tun können, was unseren Stärken entspricht, uns immer wieder herausfordert und uns Sinn verleiht. Sobald Talente durch Wissen und Übung ergänzt werden, entstehen Stärken. Stärken = Talent + Wissen + Können. Das Beste, das Sie Ihren Mitarbeitenden und sich selbst angedeihen lassen können, ist neben Wohlwollen, das Fördern von Wissenserwerb und Training in den persönlichen Talentbereichen.

Teamerfolg setzt sich letztlich aus dem Berufserfolg eines jeden Einzelnen zusammen und Unternehmenserfolg aus Teamerfolgen. Wenn Sie sich in Ihrem Team oder Unternehmen mehr Erfolg oder Freude bei der Arbeit wünschen, dann laden wir Sie herzlich ein, gemeinsam Ideen zu schmieden, was bei Ihnen bereits stark läuft und wie Sie täglich den Blick auf Stärken richten können, damit Ihre Leute bei der Arbeit durch die Decke gehen.

*1 Mit dem Gallup Strengthsfinder finden Sie heraus, wo Ihre Talentthemen liegen und mit dem VIA-IS der Positiven Psychologie ermitteln Sie Ihre Charakterstärken.

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