Wir alle lieben Erfolgsgeschichten – vor allem, wenn wir sie selbst haben erleben dürfen. Sie motivieren uns, schenken Mut und zuweilen auch das Durchhaltevermögen, in besonders herausfordernden Situationen doch noch den einen oder anderen Schritt zu unternehmen und Grenzen zu überwinden. Doch nicht selten beginnt eine solche Erfolgsstory am eher ruhmlosen und steinigen Ausgangs- oder Wendepunkt, den viele Unternehmen sehr gut kennen und den auch James Dyson erlebt hat.

Sicher kennen auch Sie den beutelfreien Dysonstaubsauger, der mittlerweile weltweit bekannt ist. Die Idee dafür hatte Dyson in seinen frühen Dreissigern. Bis zum finalen Prototyp durchlebte der damals 36-Jährige jedoch über 5.000 Fehlversuche. Endlich vollbracht, zeigte kein Händler Interesse an seinem Produkt in Grossbritannien. Aus der Not heraus entwickelte er eine pinke Version für den japanischen Markt und wurde drei Jahre später für sein erstes US Patent ausgezeichnet. Doch auch trotz dieses Erfolges wollte noch immer kein Staubsaugerhersteller seinen Sauger vertreiben, so dass Dyson mit 46 Jahren kurzerhand seine eigene Firma gründete, um den Staubsauger zu vermarkten. Heute ist Dyson ein Milliardenunternehmen Dank der Beharrlichkeit seines Gründers. Dyson erlebte Niederlagen, Fehlschläge und Frustrationen, aber er behielt sein Vertrauen in sich und sein Produkt und schrieb damit eine Erfolgsgeschichte.

Die Stärke, die Dyson am Ende zum Erfolg geführt hat, nennt sich Grit. Erfolgreiche Persönlichkeiten, Unternehmer, Führungsverantwortliche, Pioniere und Innovatoren haben eins gemeinsam: sie verfügen über ordentlich Grit.

Doch was ist unter dem Begriff Grit zu verstehen, den die Psychologin Prof. Angela Duckworth von der Universität Pennsylvania geprägt hat? Grit ist eine Ehe zwischen Passion und Beharrlichkeit. Am ehesten lässt sich Grit mit Entschlossenheit übersetzen, wobei hier die begeisternde Komponente zu kurz kommt. Grit lässt uns den Marathon gewinnen und nicht nur den Sprint. Grit ist massgeblich für Erfolg mitverantwortlich, beruht aber nicht auf Talent oder Bildung, sondern darauf, aus innerster Überzeugung heraus etwas so sehr zu wollen, dass Scheitern keine Option darstellt. Ein anschauliches Beispiel für Grit ist das Unternehmen On. Aus der Begeisterung für das Laufen heraus wollten drei Sportler das Laufgefühl revolutionieren. 2010 gründeten sie ein Laufschuhlabel und 2018 wurden sie mit dem Export Award ausgezeichnet. 90 % ihres Absatzes erzielen sie mittlerweile im Ausland. On hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben und Grit ist ein Teil dieser Geschichte.

Darf es ein bisschen mehr sein? Mit Stärkenbewusstsein mehr erreichen

Wann bringen wir Grit auf? Wenn uns etwas so richtig begeistert oder schrecklich belastet. Bei On war es die Begeisterung für das Laufen, bei Steve Jobs war es die Begeisterung dafür, «creator of change in this world» zu werden und wie Apple zum «Game Changer» wurde, wissen wir. Begeisterung und Passion für etwas bringen wir immer dann auf, wenn wir es wirklich von innen heraus wollen. Dies hat sehr viel mit den eigenen, persönlichen Stärken zu tun. Was meinen Interessen und Stärken entspricht, meine Werte widerspiegelt, was lohnenswert für mich erscheint und woran mein Herz hängt, dafür bringe ich Grit auf.

Wie wäre es damit, Grit in Ihrem Unternehmen zu kultivieren?

Stärkenorientierung nutzt die Positive Psychologie, um Menschen zum Gedeihen zu bringen. Angewandt auf Unternehmen sprechen wir von stärkenorientierter Führung, die im besten Fall Grit freisetzen kann. Dies bedeutet Erkennen, wo die persönlichen Stärken von Führungsverantwortlichen und Mitarbeitenden liegen und diese dann gezielt zum Einsatz bringen. Zahlreiche Studien bestätigen, dass stärkenorientierte Führung sich nicht nur positiv auf Produktivität, Effizienz und Profitabilität auswirkt, sondern auch die Resilienz der Mitarbeitenden stärkt und die Innovationskraft erhöht. Zur Erfolgsformel Leistung = Können + Wollen + Dürfen gehört jedoch massgeblich das Dürfen dazu und hierfür braucht die Unternehmensführung den Mut, neue Wege zuzulassen und eine Stärkenkultur zu etablieren, die Raum für neue Denk- und Herangehensweisen sowie Stärkenentfaltung ermöglicht. Auf dieser Basis beginnen die Mitarbeitenden sich ihren Stärken entsprechend zu entfalten, mehr Sinnhaftigkeit in ihrem Tun zu sehen und von innen heraus mit dem Feuer der Begeisterung Erfolge mitzugestalten. Innovation entsteht vielfach aus Versuch und Irrtum. Doch nur, wenn auch Irrtum und Fehler erlaubt und vielleicht sogar als Entwicklungschance geschätzt werden, trauen wir uns, über uns hinauszuwachsen und neue Ideen einzubringen. Ohne Versuch und Irrtum sässen wir vielleicht heute noch im Schein der Petrollampe?

An welchem Punkt stehen Sie in Ihrem Unternehmen und welche Geschichte wollen Sie schreiben? Wissen Sie, wer in Ihrem Unternehmen über Grit verfügt und wessen Grit derzeit in komatösem Zustand darauf wartet, reanimiert zu werden? Kennen Sie als Vorgesetzter Ihre eigenen und die top 5 Stärken Ihres Teams und wissen, wie Sie diese bestmöglich zum Einsatz bringen? Heute ist ein guter Tag, damit zu beginnen, Stärken zu stärken. Lassen Sie uns darüber sprechen, wie Sie die Stärken in Ihrem Unternehmen sichtbar machen und stärken können.

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