… wie noch immer in manchen Unternehmen Politics statt Fähigkeiten darüber entscheiden, wer auf der Karriereleiter emporsteigt und wer sich mühsam und langsam heraufbuckeln darf. Es frustriert mich zutiefst, dass ein Drittel der Arbeitnehmenden ausgelaugt und erschöpft zur Arbeit geht, wie eine Stressstudie aus dem Jahr 2010 zeigt. Gallup Studien bestätigen ebenfalls, dass mehr als ein Drittel der Arbeitnehmenden sich ihrem Arbeitgeber nicht verbunden fühlt und eher ungern zur Arbeit geht. Mir fehlt die Dickhäutigkeit dafür, emotionslos hinzunehmen, dass fehlende Führungskompetenzen täglich in Unternehmen zu Resignation, Angst, Unsicherheit und Potenzialvernichtung führen. Ich kann nicht verstehen, wie es soweit hat kommen können, dass wir Menschen uns in unsere inneren und virtuellen Welten geflüchtet und voneinander so weit entfernt haben, dass wir uns nicht einmal mehr in der Tram in die Augen schauen können, ohne Irritation beim Gegenüber auszulösen. Jeder für sich – auch am Arbeitsplatz. Das stimmt mich nachdenklich.

Skin in the game?

Und warum nehmen eigentlich an Kommunikations- oder Konfliktmanagementtrainings vorwiegend Frauen teil?

Es geht mir hier keineswegs um eine Mann-Frau-Debatte. Nein, es geht mir schlicht um die innere Haltung, die wir als Führungsverantwortliche täglich leben und nach aussen tragen. „Skin in the game“ fällt mir als treffende Beschreibung hierfür ein. Nassim Nicholas Taleb ist der Autor des gleichnamigen Buches und illustriert darin, dass „unsere eigene Haut im Spiel sein muss“, um wirklich authentisch Fairness, Effizienz, Risikomanagement und Leistungsbereitschaft zu ermöglichen. Irgendwie einleuchtend: Wenn meine Entscheidungen und Handlungen mich persönlich in der Konsequenz der Umsetzung nicht betreffen, werde ich wahrscheinlich hier und da anders entscheiden und handeln als wenn ich Verantwortung und Auswirkungen meines Wirkens mitzutragen habe. Wenn der Erfolg des Unternehmens an meinen persönlichen Erfolg mitgekoppelt ist, werde ich dann meinen zwar unqualifizierten, aber mir nahestehenden Bierfreund oder die fähigste Person befördern? Wenn die Auswirkungen von fehlender Kommunikation und Transparenz zu Mehrarbeit und Frust bei mir selbst führen, werde ich dann eventuell selbst auch Interesse an einem Kommunikations-Workshop haben oder nur meine Mitarbeitenden hinschicken?

Wir prägen unser Umfeld mit

Wie innen, so aussen. Jeder von uns gestaltet und prägt das Umfeld mit – jeden Tag auf`s Neue. Je mehr jeder von uns dem Eigennutz verfällt und eigene Interessen über das Wohl einer Gemeinschaft stellt, desto weiter werden wir uns von einander entfernen. Ich weiss, dass es anders geht. Schauen wir doch einmal in unsere Familien. Zumeist geht es dort noch weicher und liebevoller zu. Wir gönnen einander Potenzialentfaltung und Vorankommen. Wie wäre der gleiche Spirit bei den Kollegen und Mitarbeitenden? Wertschätzung und Mitgefühl ist das, was sehr viele Angestellte vermissen. Untereinander und hierarchieübergreifend. Das Management erstickt in Arbeit und zerreibt sich zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen und Erwartungen der verschiedenen Stakeholder. Druck sucht sich immer ein Ventil – wie oft sind das die Mitarbeitenden?

Es geht auch anders

Meckern ohne Lösung gilt nicht – das habe ich schon als Kind mit auf den Weg bekommen. Ich sehe, dass es anders geht und Studien zeigen glücklicherweise auf, dass es nachhaltig positiv geht mit mehr Erfolg. Stärkenorientierung ist ein möglicher Weg aus vielen ICHs ein WIR zu machen. Wenn ich meine Stärken und die meiner Kollegen und Mitarbeitenden kenne, kann ich diese bewusst bei der Arbeit einsetzen und meine Kollegen besser verstehen und einschätzen. Wenn wir untereinander unterstützend und fördernd agieren, wachsen wir dann nicht alle innerlich daran?

Losada hat in seiner Forschung untersucht, was leistungsstarke Teams ausmacht und dabei beobachtet, dass sie einen positiven Quotienten von 6:1 aufweisen in der Interaktion miteinander. Was bedeutet das? In leistungsstarken und erfolgreichen Teams kommen sechs positive Interaktionen auf eine negative. Das bedeutet konkret, dass auf jede negative Wahrnehmung, Äusserung oder Handlung sechs lösungsorientierte, positive oder verbindende Aktionen kommen. In leistungsstarken Teams werden mehr Fragen gestellt als Standpunkte vertreten, mehr Verbundenheit angestrebt statt Eigeninteressen und es wird aktiv zugehört, statt darauf zu warten, eigene Aussagen machen zu können. Diese Teams gehen Ziele wirklich gemeinsam (familiär) an. Leistungsschwache Teams hingegen zeigen einen Quotienten von 1:1. Von positivem Quotienten kann man da leider nicht sprechen.

Was kann ich tun?

Ich will etwas verändern! Ich plädiere für mehr WIR statt ICH in Unternehmen. Ich plädiere dafür, Stärken zu stärken statt auf Schwächen herumzureiten und einander zu entmutigen. Denn ich bin überzeugt, dass man gemeinsam mehr erreichen kann. Schon ein positiver Quotient von 3:1 reicht aus, eine positive Grundhaltung zu erreichen und sich dadurch resilienter und glücklicher zu fühlen. Na das sollte doch machbar sein! Wir brauchen mehr Game-Changer und Stärkenbotschafter!

Wer macht mit?

Mit unserem StärkenCamp für Führungskräfte haben wir ein Programm entwickelt, das Führungsverantwortliche untereinander verbindet, stärkt, wachsen lässt und ihr Stärkenbewusstsein schärft. Gemeinsam über sich hinauswachsen und einen neuen Geist in Unternehmen tragen! Seien Sie dabei!

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